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Das Übersetzerhaus Looren in der Schweiz fördert literarische Übersetzungen

Am Samstag, 7. September, öffnet das Übersetzerhaus Looren in der Schweit ab 14 Uhr seine Türen für alle. Um 14.45 findet eine Veranstaltung mit dem Schriftsteller Liao Yiwu, der Übersetzerin Karin Betz und Dolmetscherin Yeemei Guo unter der Moderation des Basler Autors Martin Zingg statt.

Im September 2005 wurde das Übersetzerhaus Looren als erstes der Schweiz eröffnet. Das Ziel des privaten Trägervereins ist die Förderung qualitativ guter Übersetzungen: mit Stipendien, Weiterbildungen und mit diesem ruhigen Ort fürs konzentrierte Arbeiten und den gemeinsamen Austausch.

Seither haben rund 750 Übersetzerinnen und Übersetzer aus aller Welt im renovierten Gebäude des einstigen Albert-Züst-Verlags gewohnt, gearbeitet oder an einem Workshop teilgenommen.

Voraussetzung für den Aufenthalt in einem der zehn Zimmer zum symbolischen Beitrag von 25 Franken pro Woche sind in der Regel ein bereits übersetztes Werk sowie ein Verlagsvertrag für die Übersetzung, mit der man sich für den Aufenthalt beworben hat.

Nicht umsonst bedeutet der Flurname Looren «steiniger Grund». Übersetzen ist harte Arbeit. Meist schlecht bezahlt. Oft gering geschätzt. Und je mehr Zeit ein Übersetzer in ein Werk steckt, desto weniger verdient er ironischerweise dafür.

Es gibt Rumänen oder etwa Bulgaren, die laut der Geschäftsleiterin Gabriela Stöckli nur 2 bis 3 Euro pro Normseite verdienen. Etwa 40 Übersetzer jährlich unterstützt das Haus deshalb zusätzlich mit einem Beitrag aus einem Unterstützungsfonds.

So manchen Lesern ist nicht einmal bewusst, dass sie oft nicht nur das Werk des Autors, sondern auch das des Übersetzers lesen. Ein jeder Satz lässt viele Interpretationsmöglichkeiten zu, jede Sprache, jede Persönlichkeit schafft Werke mit ganz eigenem Charakter. Und nur dank der Übersetzerzunft haben wir Zugang zu Büchern, die wir im Original nicht verstünden.

«Diese Übersetzerarbeit möchten wir nach außen vermitteln», sagt Gabriela Stöckli: «Wir wollen zeigen, wie komplex und vielschichtig dieses Metier ist.»

Im Looren-Untergeschoss findet sich ein Raum mit Fachlexika, Enzyklopädien und Sprachbüchern von Abasinisch bis Ungarisch. Auch alte Wörterbücher. «Wir hoffen, dass diese die Übersetzer dazu anregen, auch weniger gebräuchliche Wörter zu verwenden», sagt Gabriela Stöckli.

Das Wohnzimmer dient auch als Bibliothek, und im Gang stehen unter anderem sämtliche Werke, die im Looren zumindest teilweise entstanden sind: Sie nehmen bereits drei hohe Regale ein.

So wie das Büchervolumen im Haus steigt in jüngster Zeit auch die Wertschätzung für Übersetzer: Sie bekommen mehr Preise, Stipendien und Aufmerksamkeit in den Medien.  Ferner gibt es das Förderprogramm «Moving Words» von Pro Helvetia. «Der Grundstein ist gelegt», sagt Gabriela Stöckli, «aber es bleibt noch viel zu tun.»

Bis in zwei Jahren, wenn das Übersetzerhaus sein 10-Jahr-Jubiläum feiern wird, möchte Gabriela Stöckli im Übersetzerhaus Looren den tausendsten Gast empfangen.

Quelle: http://www.aargauerzeitung.ch/, 5.8.2013

 

 


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