Europäische Literaturübersetzer- und Autorenverbände protestieren gegen Kindle Translate / Weltübersetzerverband FIT teilt Aufruf / BDÜ unterstützt Forderungen
Die europäischen Dachverbände der Literaturübersetzer (European Council of Literary Translators’ Associations, CEATL) und der Autoren (European Writers’ Council – Fédération des associations européennes d’écrivains, EWC-FAEE) haben Ende November ein gemeinsames Positionspapier zur Ankündigung der Markteinführung von Kindle Translate veröffentlicht. Unter der Überschrift „Books cannot be translated in a click!“ kritisieren die Fachverbände, die gemeinsam rund 260.000 Autoren und Literaturübersetzer aus 91 Verbänden und Gewerkschaften in Europa vertreten, die aktuellen Entwicklungen in der Verlagsbranche bzw. im Literaturvertrieb, die den Umstieg auf komplett automatisierte KI-Übersetzungen forcieren: Dabei beanstanden die Verbände den Umgang mit Übersetzungen und Übersetzern von Belletristik und Sachbüchern und weisen auf die Auswirkungen sowohl im Hinblick auf die Qualität dieser „Werke“ als auch auf die Konsequenzen für die Arbeits- und Lebensbedingungen der Betroffenen hin. Insbesondere machen sie auf die falschen Versprechungen aufmerksam, dass KI „qualitätsvolle“ Übersetzungen liefern könne. Damit werde die anspruchsvolle schöpferische Leistung von Übersetzern völlig unterschätzt.
CEATL und EWC rufen zum Schutz von Kunst und Kultur, von menschlicher Kreativität und von Übersetzern auf. Hingewiesen wird dabei auch auf eine Praxis, die nicht nur aus Sicht der Betroffenen und deren Verbände klar abzulehnen, sondern auch Gegenstand zahlreicher, zum Teil erfolgreicher gerichtlicher Urheberrechtsverfahren ist: das Training von KI mit geschützten Texten von Autoren und Übersetzern. Geschützt, da sowohl Original als auch Übersetzung von der Berner Übereinkunft zum Schutze von Werken der Literatur und Kunst gedeckt sind. Diese wurde hierzulande bereits während der Regentschaft Kaiser Wilhelms II. übernommen.
Einen Tag nach der Veröffentlichung von CEATL und EWC rief der Weltübersetzerverband FIT (Fédération Internationale des Traducteurs) seine Mitgliedsverbände, zu denen auch der BDÜ gehört, dazu auf, sich zu positionieren und berufspolitisch aktiv zu werden. Selbstverständlich unterstützt der BDÜ die formulierte Position: Bücher können nicht mit einem Klick übersetzt werden! Entsprechend hatte der Verband auch 2024 in seinem Positionspapier zum Einsatz von KI beim Übersetzen auf verschiedene – für literarische Übersetzungen natürlich genauso geltende – Aspekte und Risiken hingewiesen, u. a. in Bezug auf das Urheberrecht und die beruflichen Rahmenbedingungen von Übersetzern. Ähnlich bezog im vergangenen Juni auch die FIT in ihrem Positionspapier zum KI-gestützten Maschinellen Übersetzen Stellung.