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3. Internationale BDÜ-Fachkonferenz: Übersetzen und Dolmetschen in Zeiten des digitalen Wandels

Branche diskutiert vom 22.–24. November im World Conference Center Bonn die Zukunft der Berufe / Mehr als 1.000 Teilnehmer aus 25 Ländern

(Bonn, 22. November 2019) Sie wird immer wieder gestellt – die Frage nach der Zukunft von Übersetzern und Dolmetschern. Der technische Fortschritt, besonders vorangetrieben durch Digitalisierung und Künstliche Intelligenz (KI), verändert Kommunikationsgewohnheiten und Arbeitsbedingungen – nicht nur für Übersetzer und Dolmetscher, sondern in der gesamten Arbeitswelt. In diesem Kontext war es für den Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer (BDÜ) nur folgerichtig, die 3. Ausgabe in seiner Konferenzreihe „Übersetzen in die Zukunft“ dem Thema Übersetzen und Dolmetschen 4.0 – Neue Wege im digitalen Zeitalter zu widmen.

Es sind hier bedeutende Veränderungen zu beobachten und weitere Umwälzungen stehen zweifellos bevor. Derartige Entwicklungen haben allerdings gerade diesen Berufsstand schon von jeher begleitet und er hat es immer wieder verstanden, sich den neuen Bedingungen nicht nur anzupassen, sondern diese sinnvoll zu nutzen. Und zwar unter Zuhilfenahme der technischen Werkzeuge, nicht im Wettlauf gegen sie.

Vielen Außenstehenden mögen die Entwicklungen der letzten Jahre in der maschinellen Übersetzung wie die Erfüllung der kühnsten Science-Fiction-Träume erscheinen. Star Trek und der Babelfisch lassen grüßen. Gekonnte PR der jeweiligen Entwicklerfirmen solcher Systeme sorgt dafür, dass sich der Eindruck vom Erreichen eines Qualitätsniveaus verbreitet, das mit von Menschen übersetzten Texten gleichzusetzen ist. Die Realität ist jedoch differenzierter zu betrachten: Ja, die maschinelle Übersetzung hat enorme Fortschritte gemacht und die Ergebnisse sind heute dank riesiger digitaler Datenbestände, sprachregelbasierter Systeme und in der aktuellen Entwicklungsstufe auch dank sogenannter neuronaler Netzwerke schon deutlich besser als noch vor ein paar Jahren. Aber genau hierin liegt auch die Problematik. Laien, die zwar beide Sprachen verstehen, erkennen meist gravierende terminologische Fehler, falsche Bezüge und fehlerhafte kontextuelle Zuordnungen nicht, da die Übersetzung ja eigentlich sprachlich (grammatikalisch) „gut und richtig“ klingt. Im privaten Bereich mögen solche Fehlübersetzungen vielleicht keine schwerwiegenden Konsequenzen haben und im besten Fall für Belustigung sorgen. Wenn es allerdings um rechtlich oder für die Gesundheit relevante bzw. geschäftskritische Texte geht, sind definitiv Profis gefragt, die die Methodik und die Feinheiten des Übersetzungsprozesses in ihrer mehrjährigen Ausbildung, z. B. in einem Studium, verinnerlicht und mit ihrer Berufserfahrung gefestigt haben. Nur so können mögliche Personen- oder Sachschäden, unvorhergesehene Mehrkosten (z. B. für Neuübersetzung/Neudruck) und nicht zuletzt gravierende Imageschäden vermieden werden.

Im Zuge der Globalisierung und Digitalisierung wächst zudem seit Jahren der Bedarf an Übersetzungen. Das US-Marktforschungsunternehmen Common Sense Advisory (CSA) schätzt, dass das Marktvolumen für Sprachdienstleistungen weltweit bis zum Jahr 2021 auf 56  Milliarden US-Dollar anwachsen wird (Quelle: Pressemitteilung CSA (EN) vom 15.06.2018). Es geht folglich im Markt für Übersetzungen in absehbarer Zeit bzw. zum Teil schon jetzt um Textmengen, die menschliche Übersetzerinnen und Übersetzer gar nicht mehr bewältigen können. Allein deshalb schon wird man auf automatisierte Prozesse setzen müssen. Damit verändern sich nicht nur die Abläufe, sondern auch die Berufsbilder unweigerlich. Für Übersetzer und Dolmetscher heißt das unter anderem, dass sie zunehmend wegen ihrer Expertise und in der Beratung gefragt sind, um diese Prozesse zu gestalten, zu begleiten und z. B. festzulegen, welche Texte für eine maschinelle Übersetzung überhaupt in Frage kommen – unter Berücksichtigung sprachlicher, fachlicher, technischer, juristischer und datenschutzrechtlicher Aspekte.

Die Stichworte für eine gesicherte Zukunft in diesen Berufen lauten also: Spezialisierung als Expertinnen und Experten für Übersetzungsprozesse sowie bestimmte Fachgebiete und Sprachkombinationen und/oder Diversifizierung mittels Zusatzqualifikation für berufs- bzw. tätigkeitsnahe Dienstleistungen wie bspw. Lektorat, Transkreation, Kommunikationsberatung etc.

Ein Aspekt, der bei dem Thema auch nicht außer Acht gelassen werden sollte, ist die Ethik – sowohl im Hinblick auf die Berufe selbst als auch bezüglich der eingesetzten Algorithmen. Durch KI wird eine neue Dimension des automatisierten Übersetzens erreicht. Algorithmen agieren allerdings mit eigener Logik, sind manipulierbar und unterliegen keiner ethischen Kontrolle. Gerade in sensiblen Bereichen wie z. B. Justiz, Gesundheit, Integration/Migration bietet die Integrität qualifizierter humaner Übersetzer und Dolmetscher nachhaltige Sicherheit – auch gegen die Gefahren von Cyberattacken und Manipulationsversuchen.

Zu all diesen Aspekten informieren und diskutieren Branchenexperten während der dreitägigen Konferenz in über 100 Vorträgen, Podiumsgesprächen, Seminaren und Workshops. Ein wahres Füllhorn an Know-how und Impulsen für zukunftsfähige Geschäftsmodelle für die mehr als 1.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus 25 Ländern.
 

Alle Informationen zur 3. Internationalen BDÜ-Fachkonferenz:
www.uebersetzen-in-die-zukunft.de

Über den Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer e.V. (BDÜ)
Der BDÜ ist mit mehr als 7.500 Mitgliedern der größte deutsche Berufsverband der Branche. Er repräsentiert etwa 80 Prozent aller organisierten Dolmetscher und Übersetzer in Deutschland und setzt sich seit 1955 für die Interessen seiner Mitglieder sowie des gesamten Berufsstands ein. Eine BDÜ-Mitgliedschaft stellt ein Qualitätssiegel für professionelle Leistungen im Übersetzen und Dolmetschen dar, da eine Aufnahme in den Verband nur mit entsprechender fachlicher Qualifikation möglich ist. Die als Kommunikationsexperten bundesweit für mehr als 80 Sprachen und eine Vielzahl von Fachgebieten gefragten BDÜ-Mitglieder sind in der Online-Datenbank auf der Verbandswebsite schnell und einfach zu finden.

Über die BDÜ Weiterbildungs- und Fachverlagsgesellschaft mbH
Die BDÜ Weiterbildungs- und Fachverlagsgesellschaft mbH ist ein Unternehmen des Bundesverbands der Dolmetscher und Übersetzer e.V. (BDÜ). Sie verlegt branchenspezifische Publikationen und organisiert Fachkongresse, Tagungen und Seminare/Webinare speziell für Dolmetscher und Übersetzer.
www.bdue-fachverlag.de
 

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