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Berufe mit Zukunft: Übersetzen und Dolmetschen in Zeiten des digitalen Wandels

(Berlin, 28. November 2018) Sie wird immer wieder gestellt – die Frage nach der Zukunft von Übersetzern und Dolmetschern. Und nicht selten damit beantwortet, dass es diese Berufe angesichts des technischen Fortschritts bald nicht mehr geben wird. Das Aussterben eines der ältesten Berufsstände soll – übrigens seit mindestens sechs Jahrzehnten – immer in ein paar wenigen Jahren bevorstehen. So wurde es auch kürzlich wieder prophezeit, diesmal von SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil in der ARD-Talkshow „Anne Will“:

„Es werden bald ganze Branchen verschwinden. Wir haben heute noch Arbeitsbereiche, die noch da sind, die gebraucht werden, aber die in den nächsten Jahren verschwinden werden, durch künstliche Intelligenz, durch technologische Entwicklung. Und da ist die Frage, wie stellt der Staat sich eigentlich gegenüber den Menschen auf, die da arbeiten. Ich nehme mal nur das Beispiel der Übersetzer, der Dolmetscher. Kann ich gern länger ausführen, aber die wird es in ein paar Jahren als Dienstleister nicht mehr geben, weil technologische Entwicklung das überflüssig macht. Und diesen Menschen muss der Staat eine Garantie geben, dass wir uns um sie kümmern, dass sie nicht innerhalb von kürzester Zeit ins Arbeitslosengeld II abrutschen, dass sie nicht Hartz IV beziehen und da brauchen wir ‘ne große Reform."

(Sendung vom 25.11.2018 - ab Sendeminute 03:40:
„Arbeitswelt im Wandel – wie muss der Sozialstaat reformiert werden?“)


Mit der Digitalisierung und den Fortschritten im Bereich Künstlicher Intelligenz (KI) verändern sich die Arbeitsbedingungen – nicht nur für Übersetzer und Dolmetscher, sondern in der gesamten Arbeitswelt (Stichwort: Arbeit 4.0). Es sind hier unbestritten bedeutende Veränderungen im Gange und weitere Umwälzungen stehen bevor. Derartige Entwicklungen haben aber gerade diesen Berufsstand schon von jeher begleitet und er hat es immer wieder verstanden, sich den neuen Bedingungen nicht nur anzupassen, sondern diese sinnvoll zu nutzen. Und zwar unter Zuhilfenahme der technischen Werkzeuge und nicht im Wettlauf gegen sie.

Vielen Außenstehenden mögen die Entwicklungen der letzten Jahre in der maschinellen Übersetzung wie die Erfüllung der kühnsten Science-Fiction-Träume erscheinen. Star Trek und der Babelfisch lassen grüßen. Gekonnte PR der jeweiligen Entwicklerfirmen solcher Systeme sorgt dafür, dass sich der Eindruck vom Erreichen eines Qualitätsniveaus verbreitet, das mit von Menschen übersetzten Texten gleichzusetzen ist. Die Realität ist jedoch differenzierter zu betrachten: Ja, die maschinelle Übersetzung hat enorme Fortschritte gemacht und die Ergebnisse sind heute dank riesiger digitaler Datenbestände, sprachregelbasierter Systeme und in der aktuellen Entwicklungsstufe auch dank sogenannter neuronaler Netzwerke schon deutlich besser als noch vor ein paar Jahren. Aber genau hierin liegt auch die Problematik. Laien, die zwar beide Sprachen verstehen, erkennen meist gravierende terminologische Fehler, falsche Bezüge und fehlerhafte kontextuelle Zuordnungen nicht, da die Übersetzung ja eigentlich sprachlich (grammatikalisch) „gut und richtig“ klingt. Im privaten Bereich mögen solche Fehlübersetzungen vielleicht keine schwerwiegenden Konsequenzen haben und im besten Fall für Belustigung sorgen. Wenn es allerdings um geschäftskritische bzw. rechtlich oder für Leib und Leben relevante Texte geht, sind Profis gefragt, die die Methodik und die Feinheiten des Übersetzungsprozesses in ihrer mehrjährigen Ausbildung, z. B. in einem Studium, verinnerlicht und mit ihrer Berufserfahrung gefestigt haben. Nur so können mögliche Personen- oder Sachschäden, unvorhergesehene Mehrkosten (z. B. für Neuübersetzung/Neudruck) und nicht zuletzt gravierende Imageschäden vermieden werden.

Im Zuge der Globalisierung und Digitalisierung wächst zudem seit Jahren der Bedarf an Übersetzungen. Das US-Marktforschungsunternehmen Common Sense Advisory (CSA) schätzt, dass das weltweite Marktvolumen für Sprachdienstleistungen bis zum Jahr 2021 auf 56 Milliarden US-Dollar anwachsen wird (Quelle: Pressemitteilung CSA (EN) vom 15.06.2018). Es geht folglich im Markt für Übersetzungen in absehbarer Zeit bzw. zum Teil jetzt schon um Textmengen, die menschliche Übersetzerinnen und Übersetzer gar nicht mehr bewältigen können. Allein deshalb schon wird man auf automatisierte Prozesse setzen müssen. Damit verändern sich nicht nur die Abläufe, sondern auch die Berufsbilder unweigerlich. Für Übersetzer und Dolmetscher heißt das unter anderem, dass sie zunehmend wegen ihrer Expertise und in der Beratung gefragt sind, um diese Prozesse zu gestalten, zu begleiten und z. B. festzulegen, welche Texte für eine maschinelle Übersetzung überhaupt in Frage kommen – unter Berücksichtigung sprachlicher, fachlicher, technischer, juristischer und datenschutzrechtlicher Aspekte.

Die Stichworte für eine gesicherte Zukunft in diesen Berufen lauten also: Spezialisierung als Expertinnen und Experten für Übersetzungsprozesse sowie bestimmte Fachgebiete und Sprachkombinationen und/oder Diversifizierung mittels Zusatzqualifikation für berufs- bzw. tätigkeitsnahe Dienstleistungen wie bspw. Lektorat, Transkreation, Kommunikationsberatung etc.

Ein Aspekt, der bei dem Thema auch nicht außer Acht gelassen werden sollte, ist die Ethik – sowohl im Hinblick auf die Berufe selbst als auch bezüglich der eingesetzten Algorithmen. Durch KI wird eine neue Dimension des automatisierten Übersetzens erreicht. Algorithmen agieren allerdings mit eigener Logik, sind manipulierbar und unterliegen keiner ethischen Kontrolle. Gerade in sensiblen Bereichen wie z. B. Justiz, Gesundheit, Integration/Migration bietet die Integrität qualifizierter humaner Übersetzer und Dolmetscher nachhaltige Sicherheit – auch gegen die Gefahren von Cyberattacken und Manipulationsversuchen.

Angesichts dieser Herausforderungen erwartet und wünscht man sich – nicht zuletzt als mitgliederstärkster deutscher Berufsverband dieser Branche und Interessenvertretung von größtenteils selbstständig tätigen Unternehmerinnen und Unternehmern – von der Politik statt eines pauschalen, wenig motivierenden Abgesangs bis hin zur prophezeiten Verarmung oder gar „Verhartzung“ eines ganzen Berufsstands doch eher zukunftsorientierte Zusammenarbeit sowie arbeits- und sozialpolitische Unterstützung in den Wandlungsprozessen. Der BDÜ ist bekannt für seinen Gestaltungswillen und für konstruktive Gespräche immer offen – sei es mit Politikerinnen und Politikern oder Vertreterinnen und Vertretern von Presse und Medien.

Übrigens: Thema des nächsten großen BDÜ-Kongresses im November 2019 in Bonn ist „Dolmetschen und Übersetzen 4.0 – Neue Wege im digitalen Zeitalter“.
 

Über den Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer e.V. (BDÜ)
Der BDÜ ist mit mehr als 7.500 Mitgliedern der größte deutsche Berufsverband der Branche. Er repräsentiert etwa 80 Prozent aller organisierten Dolmetscher und Übersetzer in Deutschland und setzt sich seit 1955 für die Interessen seiner Mitglieder sowie des gesamten Berufsstands ein. Eine BDÜ-Mitgliedschaft stellt ein Qualitätssiegel für professionelle Leistungen im Übersetzen und Dolmetschen dar, da eine Aufnahme in den Verband nur mit entsprechender fachlicher Qualifikation möglich ist. Die als Kommunikationsexperten bundesweit für mehr als 80 Sprachen und eine Vielzahl von Fachgebieten gefragten BDÜ-Mitglieder sind in der Online-Datenbank auf der Verbandswebsite schnell und einfach zu finden.
 

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